Martin Mlecko und Wolfgang Schöddert
P R E S S   |   P R O J E C T S  |   C O N T A C T  |   I D E A

 

"HGr-E942"

Cosima Göpfert
Bis Ende Februar 2016

 

 

"YBOY"

FEYYAZ
Bis 6. November 2015

 

FEYYAZ thematisiert die Sehnsüchte und Dämonen der Gegenwart. Zunächst als Maler und Plastiker, heute aber vor allem mit den Mitteln der Photographie und des Kurzfilms, taucht er in die Tiefe der visuellen Reflexion seines täglichen Lebens ein.

YBOY ist eine autobiografische Bewegtbildinstallation. Sie verbindet Fragmente aus FEYYAZ wichtigsten Filmen der letzten Jahre und nie zuvor gezeigtes, intimes Material. Erlebtes und Konstruiertes verschmelzen darin zu einem intensiven, nahezu psychodelischen Trip.

Traumbilder und Chimären überlagern Momente der Wirklichkeit und führen unmittelbar zu ihrer vollkommenen Verzerrung. Diesem Prozess sagt FEYYAZ, sind wir schutzlos ausgeliefert. Er vollzieht sich unterbewusst, bestimmt unser Sein, unsere Ziele und unsere Lust aber unausweichlich. Mit YBOY, oder You But Only You, macht FEYYAZ seinen sehr privaten Blick auf dieses Phänomen für kurze Zeit öffentlich.

 

"Maybe I`d Harboured the Dream Too Long"

Pernilla Zetterman
Bis 4. September 2015

 

Maybe I`d Harboured the Dream Too Long zeigt ein weißes Porzellanpferd. Aufgebäumt dreht es sich in einer endlosen Videoschleife vor einem schwarzen Hintergrund. Einer Aufschrift zufolge ist es ein Andenken an die Spanische Hofreitschule in Wien, einem Ort, der für die perfekte Dressur von Lipizzaner-Hengsten berühmt geworden ist. Es heißt, hier verschmelzen Werte der Vergangenheit mit der Leidenschaft der Gegenwart.
 
Pernilla Zetterman verknüpft ihr Werk eng mit dem eigenen Leben. Maybe I`d Harboured the Dream Too Long beruht auf ihrer Erinnerung an den lang gehegten Traum, ein eigenes Pferd zu besitzen. Doch was bedeutet dieser Traum? Spiegelt er die uneingeschränkte Liebe zur Kreatur oder den Wunsch nach Kontrolle, Macht und Disziplin? Und was ist, wenn dieser Antagonismus am Ende gar kein Widerspruch wäre, sondern ein Ausdruck unserer kulturellen Identität?

Pernilla Zetterman sagt: The dream of having an own horse never came true. But another dream, of seeing the white horses at the Spanish Riding School in Vienna was realised in autumn 2011. They were white, beautiful and masterly, nevertheless I was disappointed. Maybe I`d Harboured the Dream Too Long.

www.grundemarknilsson.se

 

"Vitaliks Haus"

Ivan Bazak
Bis 3. Juli 2015

 

Vitaliks Haus ist das Haus eines Freundes. Es wurde im Westen der Ukraine im Internationalen Stil der 1920er-Jahre erbaut und Vitalik traf dort die Entscheidung zu einer schwierigen und gefährlichen Reise. Seine Mutter hatte die Ukraine vor einigen Jahren verlassen, um in Italien Geld für den Unterhalt der Familie zu verdienen. Da Visabestimmungen ihre Heimkehr verhinderten, machte Vitalik sich schließlich ohne gültige Papiere auf den Weg zu ihr.

Ivan Bazak hat diese Reise in Teilen begleitet und dokumentiert. Anschließend baute er Vitaliks Haus mit einfachen Mitteln nach, überlegte was er über die Vorgänge im Inneren des Hauses wusste und verband die Erlebnisse der Reise mit ihrem gedanklichen Ursprungsort. Das Haus wurde zum Anknüpfungspunkt für Erinnerung und zum Sinnbild für den Aufbruch eines Einzelnen. Inzwischen gehen Bazaks Fragen nach der Bedeutung von Häusern weiter. Ihn interessiert, auf welchen Plätzen, vor welchen Gebäuden, in welchen Zimmern bestimmte Ereignisse geplant, beschlossen oder durchgeführt wurden oder werden - wo im Verborgenen etwas stattfindet, das am Ende nicht nur persönliche, sondern auch machtpolitische Konsequenzen hat.

Vitaliks Haus ist 2007 im Museum am Ostwall in Dortmund in der Reihe "Wo ist Zuhause" zum ersten Mal ausgestellt worden und wurde dort zusammen mit dem dokumentarischen Video "Vitalik besucht seine Mutter" gezeigt. Für die LOGE am früheren Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie hat Ivan Bazak diese Verbindung aufgehoben und das Haus nur schwach beleuchtet. Es erinnert still an Vitaliks Aufbruch in die Festung Europa.

"Fetisch"

Martin Mlecko
Bis 23. Dezember 2014

 

Zum Monat der Fotografie zeigt die Loge "Fetisch", einen kurzen Film über die unerwartete Begegnung eines Mannes mit einem Geldautomaten. Als Teil der Trilogie "Über die Liebe", die Martin Mlecko 2008 an öffentlichen Orten in Berlin gedreht hat, ist dieser Film eine Parabel über den Reiz des Reichtums. Sie stellt Fragen nach der Weltanschauung und den Lebensentwürfen enthemmter Finanzjongleure und den Phantasien ihrer Trittbrettfahrer.


Jenseits der romantischen Vorstellung einer offenen Zugewandtheit zu anderen Menschen drängt sich das Bild einer düsteren Selbstverliebtheit auf, die mit dem Glauben an die Käuflichkeit des Glücks einhergeht.

Die Loge zeigt diesen Film im Verborgenen. In freier Anlehnung an Marcel Duchamps letztes, 1966 abgeschlossenes Werk "Étant donnés" ist "Fetisch" nur durch ein winziges Guckloch zu sehen. Wer mag, kann in dieser Installation eine stille Reminiszenz an die Ideale der Moderne des 20. Jahrhunderts erkennen. In den 1960er-Jahren konnten sie noch dazu beitragen, die Welt zu verändern.

 

"Die Arche Kunst"

Herbert Fritsch und Kay von Keitz
12. September - 16. Oktober 2014


Kunst muss doch viel mehr wollen! ist die finale Forderung einer flammenden, bereits 1998 verfassten Rede des Kunstwissenschaftlers Kay von Keitz. Zu ihrer universellen Verwendung hat der Regisseur und Schauspieler Herbert Fritsch diese Rede unter dem Titel Die Arche Kunst eingelesen. Zur Berlin Art Week macht die Loge Die Arche Kunst öffentlich und reißt damit einmal mehr Fragen nach der zeitgenössischen Wahrnehmung von Kunst, ihrer emotionalen und materiellen Wertigkeit und ihrer sozialen Verortung an. Was wirkt als Fetisch, was transportiert welchen Inhalt und ist die romantische Idee einer Kunst des Schönen, Guten und Wahren dazwischen noch eine Option?

Zur Rede: Bitte hier klicken.

 

"Gefundene Sachen aus Oranienburg, verändert durch Darstellung und Nutzung."

Patricia Breves
2. Mai - 28. August 2014

Oranienburg, nördlich von Berlin, ist eine Stadt, deren Geschichte untrennbar mit dem KZ-System der Nationalsozialisten verbunden ist. Schon 1933 wurden dort mehr als 3000 Gegner der Nazis, vornehmlich aus Berlin, unter den Augen der Bevölkerung festgehalten und der Willkür ihrer Bewacher ausgesetzt. Die weitere, grausame Entwicklung ist bekannt und ihre emotionale Wirksamkeit unabdingbar.

Patricia Breves hat die Stadt im Januar 2014 besucht und wurde dort zufällig zur Zeugin einer Wohnungsauflösung. Was einmal sicher im Inneren eines Hauses aufbewahrt worden war, befand sich plötzlich draußen auf der Straße, für jedermann sichtbar. Ehemals persönliche Dinge eines Menschen lagen ungeschützt im öffentlichen Raum, frei zur Mitnahme oder zur Abholung als Sperrmüll.

Als Breves am nächsten Tag aus Neugier zurückkehrte, war alles verschwunden. Lediglich ein paar unscheinbare, kleine Objekte lagen noch im Rasen vor dem Haus. Sie erfuhr von einer Nachbarin, die Wohnung habe einem alten Mann gehört, der einige Tage zuvor verstorben sei. Daraufhin fotografierte sie die wenigen verbliebenen Dinge an Ort und Stelle, sammelte sie ein und nahm sie mit nach Berlin.

Der Erfassung einer Ausgrabung folgend, wurde jedes Stück fotografisch dokumentiert und schließlich zu seiner Bedeutung befragt. Knöpfe, Schrauben, ein Erfrischungstuch, Schlüssel, Gebissreinigungstabletten und Knöpfe changierten in diesem Prozess zwischen Gedanken an ihre ehemals vorbestimmte Bedeutung und der unscharfen Vorstellung des Menschen, aus dessen Leben sie zurückgeblieben sind. Doch wer war dieser Mensch, dessen Leben zu Ende gegangen war?

"Schließlich überlegte ich mir, dass ich durch die Nutzung dieser Sachen vielleicht etwas mehr über diesen alten Mann erfahren würde, dass sie mir etwas von seiner Geschichte berichten könnten. Doch durch die Nutzung dieser Sachen und den Umgang mit ihnen, entwickelte sich gleichzeitig eine neue Geschichte. Nämlich die, meiner Begegnung" - mit Oranienburg. 

http://cargocollective.com/sachenausoranienburg

 

"UN STERN"

Roland Schappert
22. Januar - 21. März 2014

Roland Schappert ist ein Maler. Er untersucht die Wirkungsmöglichkeiten bildnerischer Gattungen und stellt dabei ihre tradierten Grenzen in Frage. Malerei undogmatisch und frei zu denken, ist sein Anliegen und so entwickelt er aus Bildern von unterschiedlicher Materialität immer wieder ebenso subtile wie spannungsreiche Installationen.

UN STERN führt ein Tafelbild, Wandmalerei, eine Zeichnung und einige behutsame Eingriffe in die Architektur der LOGE zusammen. Die entstandene Konstellation lässt die ungewisse Beziehung zweier Menschen anklingen, setzt darüber die poetische Kraft der einzelnen Elemente der Installation frei und zielt auf die synergetische Interaktion aller Details.

Roland Schappert sagt: "Für mich existiert jedes Bild – nicht nur Malerei – immer nur in Räumen: im Gedankenraum, im Erinnerungsraum, im Vorstellungsraum, im Raum der Wahrnehmung, im medialen Raum und im Ausstellungsraum". UN STERN zeigt diese Auffassung und verfolgt gleichsam die inhaltliche und visuelle Aufladung des Raumes durch die in ihn eingepasste Malerei.

 

"L'Ange de la Mort"

Christian Boltanski
21. September - 8. November 2013

In den 1980er Jahren hat Christian Boltanski begonnen, sich mit Schatten-
spielen auf mittelalterliche Totentanzmotive zu beziehen. Kleine, von ihm aus Kupferblech ausgeschnittene Figuren werden in diesen Arbeiten zu dunklen, zitternden Schemen, deren düstere Anmutung von seiner fast kindlichen Annäherung an das Sujet gebrochen wird. Die aus dieser Werkgruppe hervor-
gegangene Arbeit L'Ange de la Mort ist ein Todesengel mit Flügeln aus Vogelfedern, der einen Stab, vielleicht auch eine Sense hält. In einem einsamen danse macabre wandert er durch den Raum, verschwindet und taucht erneut auf. Er weckt Erinnerungen an Ängste der Kindheit und ist zugleich ein archaischer Dämon, der keinen Zweifel an der unaufhaltsamen Vergänglichkeit des Daseins lässt.

 

 

"Unsere Ferien am Lago Maggiore 1964"

Unbekannter Fotograf/in
16. August - 13. September 2013

Italienromantik hat die Urlaubssehnsucht der 1960er-Jahre bewegt. Mit dem eigenen Wagen den Süden zu erleben, war ein kollektives Bedürfnis, blieb für viele aber auch nur ein Traum. Wenn die Reise gelang, wurden selbst gemachte Fotos zu einem wertvollen Schatz. Sie dokumentierten Momente des Glücks und waren beneidete Trophäen.

Dia-Positive hatten als Erinnerungsbilder eine besondere Bedeutung. Als Lichtbild-Projektion konnten sie vor einem größeren Kreis ebenso vorgeführt werden, wie in einer stillen, melancholischen Situation. Wandgroß gezeigt, lehnten sie sich an Sehgewohnheiten an, die das Kino bestimmt hatte und Selbsterlebtes rückte in die Nähe großer und bewegender Leinwandabenteuer, undurchleuchtet waren sie gut behütete Devotionalien.

Die 80-teilige Dia-Projektion "Unsere Ferien am Lago Maggiore" ist ein Fundstück. Als fotografisches Tagebuch einer Reise nach Oberitalien 1964, zeigt sie Landschaften, Architektur und private Augenblicke. Ob ein Paar, Freundinnen oder Freunde diese Reise angetreten haben, erschließt sich nicht. Diese Ungewissheit unterstreicht die erzählerische Qualität der Aufnahmen, während die milde, rückwärtsgewandte Farbigkeit des alten Ektachrom-Diafilms in eine Zeit entführt, deren Maßstäblichkeit dem Menschen gerecht gewesen zu sein scheint.

Die Suche nach Kunst, die aus der bewussten Wahrnehmung des Unscheinbaren und Alltäglichen entsteht, ging der Idee der LOGE voraus.

Die Arbeit mit anonymer Privatfotografie hat dabei eine Rolle gespielt:

www.mlecko.de/private_life

"Unsere Ferien am Lago Maggiore" ist eine persönliche Hommage an die Aussagekraft solcher Bilder.

 

"Melos Amoris"

von Evgenija Wassilew
21. Juni - 26. Juli 2013

 

"Es gibt niemanden, den ihr Gesang nicht fortreißt" ... schrieb Franz Kafka in "Josefine, die Sängerin"   - und Josefine war eine Maus.
 
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert widmet sich die naturwissenschaftliche Forschung der  Kommunikation unter Mäusen und ihren für Menschen in der Regel unhörbaren Gesängen. Heute ist bekannt, dass auch Mäuse zu Liedern fähig sind, die aus Tönen und Silben zusammengesetzt sind.
 
"Melos Amoris" knüpft an diese Erkenntnisse an. Angelehnt an einen wissenschaftlichen Versuch wurde einer Maus der Gesang eines Wals in "übersetzter" Form vorgespielt.  Dabei ist es gelungen, eine kommunikative Reaktion festzuhalten und ineinander greifende Gesänge von Maus und Wal für das menschliche Ohr hörbar zu reproduzieren. 
 
"Melos Amoris" ist eine vielfältig wirksame Klanginstallation. Sie basiert auf einer Vorstellung vom "Gesang der Liebe", zeigt Möglichkeiten der Verständigung auf, berührt die Grenze des Absurden und spielt dabei mit der romantischen Hoffnung, dass Traum und Wirklichkeit einander entsprechen könnten.

"Catalogue de gestes"

von Natacha Nisic
27. April - 18. Mai 2013

 

 

Natacha Nisic zeigt das Unscheinbare und Stille. Ihr Medium ist der Film. Sie offenbart darin einen ebenso sensiblen wie konzentrierten Blick auf Menschen, Orte und Momente. Arbeiten der letzten Jahre begleiten das Leben von Nonnen der Karmeliter, nehmen Details der Schicksalsorte Hiroshima und Auschwitz auf oder widmen sich einer koreanischen Schamanin, die an einem heiligen Ort über eine Quelle wacht.

Seit 1994 entsteht parallel dazu der "Catalogue de gestes". Natacha Nisic fasst darin mit einer Super-8 Kamera aufgenommene, einfache Handbewegungen zusammen: Das Schälen einer Frucht, das Zupfen am Blatt einer Pflanze, das Feilen eines Fingernagels oder das Reiben und Waschen der Hände.

Mit einem traditionellen Filmprojektor vorgeführt, gleicht der "Catalogue de gestes" einer ethnologischen Dokumentation. Im Gegensatz dazu lässt er allerdings offen, wann und wo die archivierten Handlungen aufgenommen worden sind. Sie haben kein Davor und kein Danach und sind losgelöst von den Menschen, die sie vollziehen. So wird die Aufmerksamkeit auf das eigene, mitunter gedankenverlorene Tun gelenkt und das Bewusstsein für das Wie im Alltäglichen kann wachsen.

 

"American Typewriter #6"

von Wolfgang Plöger
25. Januar - 23. Februar 2013

 

Zuweisung und Anerkennung einer Position innerhalb gültiger Hierarchien sind ein wesentliches Merkmal der disziplinierten Gesellschaft. Soziale Strukturen und eine Architektur die diesen Strukturen entspringt, sind ihre prägenden Faktoren.

Wolfgang Plöger führt darüber einen vielschichtigen Diskurs. In seiner Serie American Typewriter verarbeitet er Informationen aus den frei zugänglichen Akten amerikanischer Strafgefangener. Er erfasst Körpergrößen, Haarfarben und andere individuelle Merkmale der Häftlinge, überführt sie auf Filmstreifen und projiziert dieses Material als endlos laufende, raumbezogene Textbänder. Zentrierung, Dezentrierung, Spiegelung, Überlappung und parallele Ausrichtung etc. sind dabei Stilmittel, die auf das besondere Wechselspiel zwischen Menschen und den Räumen, die auf sie wirken, Bezug nehmen.

American Typewriter #6 ist eine Projektion personenbezogener Daten von Häftlingen in den öffentlichen Raum hinein. Als passgenaue Projektionsfläche dient ein einfaches, ungehobeltes Brett. Es ist lose an eine Wand angelehnt und ebenso leicht verrückbar wie zu entwenden. Was wird mit diesem Brett geschehen? Wie wird die Gesellschaft mit diesem "Spiegel" umgehen?

"Les Amies"

von Christer Stroemholm
11. September - 27. Oktober 2012

"I make images and they are not necessarily photographic pictures. What's important to me is what the picture says. The impression of the picture is what matters. That is even more important than the truth - a photographic truth. It is very difficult to explain what I want with a picture ..."

Aufgewachsen als Sohn eines schwedischen Offiziers, begann Christer Strömholm 1937 in Dresden Malerei zu studieren. Entgegen der Auffassung seines Professors solidarisierte er sich allerding sehr bald mit Künstlern, deren Werke von Nazis als "entartet" diffamiert wurden. Er verließ Deutschland, nahm wenig später am Spanischen Bürgerkrieg teil und kämpfte schließlich bis 1945 gegen den Faschismus in Skandinavien. Nach dem Krieg lebte er in Paris und während sich die französischen Existenzialisten philosophisch gegen tradierte Lebensentwürfe und Geschlechterrollen wandten, begann er als Fotograf zu arbeiten.

Christer Strömholm verbrachte in dieser Zeit viele Tage und Nächte in der rauhen Vergnügungswelt zwischen Place Pigalle und Place Blanche und lernte dort in den 1950er-Jahren auch die transsexuellen Night-Birds der Szene kennen. Herrschenden gesellschaftlichen Konventionen entgegen, folgten sie sich selbst und ihrer tiefen Sehnsucht nach Vollkommenheit und Schönheit. Christer Strömholm wurde ihr Freund und als Fotograf gelang es ihm, sie in Bildern festzuhalten, die nicht von deprimierender Verhöhnung, von Prostitution und der dauernden Angst vor Übergriffen zeugen, sondern ihren romantischen Lebenstraum feiern. Heute sind seine Aufnahmen der Les Amies de Place Blanche Fotografie-Geschichte.

1965 zog Christer Strömholm einen Teil dieser Motive auf Hartfaserplatten auf, stellte sie in einem Kaufhaus in Stockholm aus und provozierte damit selbst in seiner liberalen Heimat einen Skandal. Suzannah & Sylvia, Hôtel Pierrots, 1962 in Paris fotografiert, ist eine der damals gezeigten Arbeiten und bis heute das Dokument einer besonderen künstlerischen und kuratorischen Haltung.

"Black Vogue"

von Andree Volkmann, Detlef Weitz und Dominique Müller
10. Dezember - 28. Januar 2012

Andree Volkmann befasst sich mit der Welt des Glamours und der Mode. Hochglanzmagazine, die Stile und Trends begleiten und ihre Entwicklung unterstützen, sind ein Ausgangsmaterial seiner Arbeit. Mit einem schwarzen Filzstift greift er in das Layout ein, umreißt zunächst spielerisch einzelne Konturen und zeichnet die Linien von Gesichtern, Körpern und Schrift nach. Er löst sich dann von vorgefundenen Formen, schafft vorübergehend neue Bildstrukturen und geht schließlich dazu über, aus diesen Strukturen die vollflächige Schwärzung der Seiten zu entwickeln. Jedes vorherige Motiv löscht er damit aus.

Detlef Weitz und Dominique Müller haben Volkmanns vollständige Übermalung einer Ausgabe der Zeitschrift Vogue festgehalten. 21 Stunden lang zeigt ihr Film Black Vogue seine ruhige und konsequente Auseinandersetzung mit diesem Magazin – von den ersten Eingriffen in seinen Titel bis hin zur vollkommenen Schwärzung aller  214 Seiten. 

Black Vogue ist subtil umgesetzter Ikonoklasmus und kunsthistorische Revue zugleich. Volkmann überführt darin Bilder allgemeingültiger Schönheit in das scheinbare Nichts. Am Ende ist dieses schwarze Nichts jedoch nicht weniger qualitätvoll, als jede der ihm zu Grunde liegenden, ehemals glänzenden Inszenierungen.

 

 

"46 degrees"

von David Kroell
07. Oktober - 03. Dezember 2011

David Kroell konzipiert kaum sichtbare, mitunter auch unsichtbare Veränderungen von Räumen. Was ist Raum, was bestimmt ihn, was macht ihn wirksam und wie wird diese Wirksamkeit spürbar, sind Fragen die sich eng mit seiner Arbeit verbinden.

"46 degrees" gibt zunächst nur den Hinweis auf eine überdurchschnittliche Temperatur, während die Loge leer und unverändert erscheint. Erst nach Ablauf einer unbestimmten Zeit, geschieht etwas Merkwürdiges: der Boden wird Risse zeigen, Bruchstellen entstehen, und schließlich wird sich der schwarze Bodenbelag aufschichten und wie ein ausgetrocknetes Flussbett verkrusten.

Die Suche nach und die Beobachtung von "46 degrees", konzentriert den Blick auf ein unabdingbares und dennoch selten beachtetes Detail der Architektur und dessen Verwandlung. Dieses Detail, den Boden, konzentriert zu sehen, unterstützt die Wahrnehmung des gesamten Raumgefüges und seiner Eigenheiten. Architektur im täglichen Leben grundsätzlich neu zu erfahren, ihre Eigenheiten, Unzulänglichkeiten und Irrtümer ebenso wie ihre Präsenz und Zeitgebundenheit schärfer zu erkennen, kann eine mögliche Folge der Auseinandersetzung mit dieser und anderen Arbeiten von David Kroell sein.

 

 

"Tanz mit mir!"

von Judith Rosmair
29. Mai 2011

"Komm, tanz mit mir!“, lautet die Aufforderung aus einem alten Lied. Die Musik setzt ein und mit ihr die Spannung.
Was geschieht, wenn zwei unbekannte Menschen miteinander tanzen?Suchen sie sich selbst in dieser Begegnung? Hoffen sie auf einen kurzen Augenblick des Glücks?

Die Schauspielerin Judith Rosmair lädt dazu ein, das mit ihr zu erleben und läßt die Loge einen Abend lang ihre 'Move-Box' sein.

Für die Dauer eines zufällig ausgewählten Liedes, langsam oder schnell, modern oder von gestern, kann jeweils eine Person mit Judith Rosmair ein Spiel von Nähe und Distanz beginnen, auf engem Raum, gleichzeitig intim und öffentlich - eine kleine Feier des Augenblicks!

 

 

"checkpoint inter wall"

von Renate Wolff
13. Dezember - Ende Februar 2011

Renate Wolff dynamisiert die architektonische Grundstruktur vorgefundener Räume. Sie analysiert deren Volumen, erfasst ihre formgebenden Details und findet ihre Arbeitsfläche schließlich an den das Innere bestimmenden Wänden, Fußböden und Decken.

Raum zu erfassen, ihn spürbar zu machen und in Schwingung zu versetzen, ist ein wesentliches Merkmal ihrer Arbeit - seine Grenzen auszuloten, sie zu definieren und gleichsam aufzulösen ist ihr Anliegen.

Renate Wolff verfolgt ihre dem Dreidimensionalen verpflichtete Arbeit mit Mitteln der Malerei. Von raumgliedernden Elementen abgeleitet, entwickelt sie Grundmaße für monochrom aufgetragene Farbflächen, fragmentiert mit ihnen vorgegebene Strukturen und schafft so die Möglichkeit zur Wahrnehmung nicht sichtbarer Zwischenräume.

checkpoint inter wall ist in fluoreszierender Farbe ausgeführt und wird unter Schwarzlicht beleuchtet. Scheinbar losgelöst von den unregelmäßig miteinander verbundenen Wänden der Loge verselbständigt sich die Arbeit zu einer fast schwebenden Intervention.

Auf Einladung von Renate Wolff wird Bettina Thiel auf die vorgegebene malerische Struktur reagieren und mit einer offenen Choreographie ein checkpoint inter wall entsprechendes Körper-Bewegungsbild entwickeln.

 

"Sauger"

von Fred Rubin
11. Oktober - 20. November, 2010

Fred Rubin vertritt die Recyclage Rotatif. Bewegung und Verschiebung eines gesell-schaftlich entwerteten Gegenstandes ist die Essenz dieses Prinzips. Die unbekannte emotionale Wirksamkeit eines Gegenstandes an seinem jeweiligen Ort als ein Geheimnis zu begreifen, seine Grundlage.

1994 aus Paris kommend, erlebte Rubin in Berlin die Abwicklung der Hauptstadt der DDR. Konfrontiert mit den mitunter surreal anmutenden Vorgängen in dieser Zeit, bekundete er der Vermögensverwaltung der Bundesrepublik Deutschland sein ausschließlich nicht-ideologisches Interesse am Palast der Republik und konnte wenig später mit dessen Räumung beginnen. Seitdem nutzt er Einbauten, Mobiliar, Lampen und ganze Gebäudeteile aus ehemaligen Ostberliner Regierungsbauten und bewegt und verschiebt sie als Objets trouvés an Orte, die ihre dingliche Qualität in einen neuen Sinnzusammenhang überführen. Diese Verschiebung, führt im Prozess der Bewegung - der Rotation - zur stetigen Aufladung und Erweiterung ihrer imaginären Geheimnisse.

Der Sauger ist ein Ausstattungselement aus dem Bauministerium der DDR. Während seine eigentliche Funktion nichts zur Sache tut, wird sein Einbau in die Loge sein Geheimnis erweitern – und dem Comte de Lautréamont folgend, ist seine Bewegung dorthin schön wie die unvermutete Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch!

"Intérieur"

von Roselyne Titaud
09. Juli - Anfang September, 2010

Roselyne Titaud ist eine einfühlsame Beobachterin. Sie widmet sich einfachen privaten Räumen und findet darin feinsinnige Motive von unerwarteter Schönheit. Ihre Wahrnehmung gilt dem zufälligen Nebeneinander und dem vorgefundenen Zusammenspiel einzelner Gegenstände. Mit ihrem Blick auf Interieurs, auf Möbel, ein nicht gemachtes Bett, lieb gewonnene Kleinigkeiten, eine Vase, eine Uhr, Lebensmittel und das was diese Dinge an Ort und Stelle umgibt, thematisiert sie die besondere ästhetische Qualität des oft nur oberflächlich Wahrgenommenen.

Roselyne Titauds Fotografien sind sensible Momentaufnahmen aus den Lebenszusammenhängen von Menschen, die sie in ihren Fotografien niemals zeigt. Jedes ihrer Bilder erfasst einen Augenblick aus deren undatierbarer Alltäglichkeit, ohne jedoch den Augenblick selbst zu bewerten. Ihre Aufnahmen erzählen, wie Sie sagt, von etwas anderem, von etwas das angehalten wurde, nicht nur von der Fotografie, sondern auch schon in der Realität - und so ergänzt ihr Motiv einer Vase, die drei künstliche Rosen hält, die Loge nicht nur als Tromp-l'oeil.

 

"Nächstes Mal, vielleicht."

von Vincenzo Latronico
07. Mai - 11. Juni, 2010 durchgängig 24 Stunden täglich

Es gibt zweiunddreißigtausendsiebenhundertachtundsechzig Möglichkeiten fünf Teile aus acht unterschiedlichen Dingen miteinander zu verbinden. Rechnerisch ist das belegbar, mit Zahlen, Buchstaben, Früchten oder Liebesgeschichten. Nächstes Mal, vielleicht.erzählt Liebesgeschichten, an fünfunddreißig Tagen, vierundzwanzig Stunden lang.
Vorgetragen von der aufgenommenen Stimme ihres Autors Vincenzo Latronico, sind es exakt zweiunddreißigtausendsiebenhundertachtundsechzig, formuliert aus Teilen von acht zu Grunde liegenden Texten. Trotz dieses Ursprungs unterscheidet sich jede Geschichte von allen anderen, ist eigenständig und so einmalig wie eine Liebesgeschichte sein kann. Eine gedruckte Version von Nächstes Mal, vielleicht. war unter dem Titel Next Time, perhaps Teil der Ausstellung Chapter Four: Word Wraps, About Change, Collection, Berlin, 2009.


There are thirty two thousand seven hundred and sixty eight permutations of eight sequences of five elements. This is true regardless what the elements may be: numbers, letters, fruits, or lovestories. Next time, perhaps is a reading of love stories. It will take place at the Loge, and will last a little more than one month.
The stories will be read by their author's recorded voice, and are exactly thirty two thousand seven hundred and sixty eight, the multiplications of eight original texts. Their origin notwithstanding, every story is different from all others, it is independent, it is as unique as a love story can be; the resulting stories, however, are several thousands. A paper-based version of Nächstes Mal, vielleicht. has been shown as Next Time, perhaps at Chapter Four: Word Wraps, About Change, Collection, Berlin 2009. Translation/Übersetzung: Klaudia Ruschkowski

Link zum Radiobeitrag Deutschland Radio

"SOLO"

von SOUNDFAIR
29. März 2010, 18 - 21 Uhr

Mit SOLO verwandelt SOUNDFAIR die Loge für einen Abend in den kleinsten Musiksaal Berlins. Ruth Rosenfeld, Sopranistin an der Staatsoper in Braunschweig und der Volksbühne Berlin wird ein für den Ort komponiertes Stück von Ari Benjamin Meyers vortragen. Erlebbar ist SOLO für jeweils einen Besucher, der den Raum für eine begrenzte Zeit mit der Sängerin teilen kann. Spürbar ist die Performance aber auch, wenn man ihr nur zusieht.

SOUNDFAIR ist ein Projekt des New Yorker Komponisten Ari Benjamin Meyers, der Kuratorin Clara Meister und des Produzenten Thomas Mayer. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Performern und Orten begreifen sie Sound als Kunstwerk und thematisieren dabei unterschiedlichste auditive Ansätze.

 

 

Theoretisch tot

von Stefan Heinrich Ebner
11. Juni - Ende September 2009

Theoretisch tot ist ein Gebilde, dessen fragil anmutende Strukturelemente in Reste von Tierfell eingenäht sind. Frei und beweglich in die Loge eingehängt, ertasten die längsten Fühler des Gebildes die Dimension des Raumes und streben nach dessen Vereinnahmung.
Struktur und Fell wirken bei diesem Versuch wie eine fast wesenhafte Einheit. Theoretisch tot berührt diese Einheit Begriffe wie Entwicklung und Wachstum, Entfaltung und Erfüllung und verlangt nach dem Gespräch darüber.

 

 

Topolino

von Andrea Pagnes und Verena Stenke
9. Januar - Ende März 2009

Hinter einer alten Maske des Mickey Mouse und gekleidet in einen schwarzen Gesellschaftsanzug beginnt ein Mensch seine Suche nach Momenten verlorener Glückseligkeit.  Bewegungen und Gesten die Zwänge und Unfreiheiten ahnen lassen, führen ihn zu einer Schachtel mit lieb gewonnenen Objekten aus seiner Vergangenheit. Seine behutsame, fast melancholische Annährung an einzelne Stücke daraus führt zu einer Reflexion über Erinnerung und über die Unerreichbarkeit all dessen was sich einmal mit den Devotionalien des eigenen Lebens verbunden hat.

Topolino, rückwärtsgewandt und nostalgisch anmutend aufgenommen, berührt für Pagnes und Stenke autobiographische Zusammenhänge. Beide sagen, jedes Bild und jedes Objekt des Films sei auch ein getöteter Moment – ein Insekt der Zeit, präpariert und aufgespießt. Eines Tages werden diese Insekten unerträglich und wir verstehen sie nicht einmal mehr.

ME

von Isabelle Graeff
31. Oktober - 19. Dezember 2008

 

Was ist ein Psychopath?
von Gabriel Loebell
13. August 2008, danach 20. und 27. August, jeweils 20.00 Uhr

Was ist ein Psychopath? Zu dieser Frage hat Gabriel Loebell, (Studium der Psychiatrie Psychologie und Philosophie) einen installativen Vortrag vorbereitet.

Der Vortrag bespricht eine im Alltag stark vertretene Figur. Loebell bietet dazu eine psychiatrische Vergegenwärtigung an - Definition, Klassifikation, Typologie, Diagnostik, Pathogenese, Epidemiologie - und zeigt schließlich verschiedene Ausprägungen bis hin zur antisozialen Persönlichkeitsstörung auf

Mit "Was ist ein Psychopath" gibt die Loge erstmalig einem Vortrag Raum, der unter dem Eindruck ihrer spezifischen Situation konzipiert wurde.

Primavera
von Aldo Cristofaro
16. Mai - Ende Juli 2008
Aldo Cristofaro ist der Landschaftsmalerei und ihrer zeitgenössischen Interpretation zugewandt. Mitunter fragil komponiert, führen seine Bilder in fremdartige Welten von oft literarischer Anmutung und manche seiner Motive könnten den traumhaften Denkbildern von Lewis Carroll oder Jules Verne entlehnt sein.

Mit „Primavera“ verlässt Cristofaro den fest gefügten Rahmen eines traditionell angelegten Gemäldes und überführt seine bildnerische Arbeit in einen räumlichen Zusammenhang. Mehr als 50 behutsam aus Leinwand geschnittene Blumenblüten in phantastischen Formen und Farben hat er dazu auf den Wänden der Loge arrangiert. Aufgesteckt auf kleine Rotoren, die über schmale Kabel elektrifiziert sind, vermögen sie sich kaum merklich zu drehen und nähren mit sanfter Bewegung die Vermutung eines fortschreitenden Wachstums.

Sichtbar nur von draußen nach drinnen, nutzt Cristofaro für „Primavera“ die Eigenschaft der Loge als Vitrine und formt das Bild eines Raumes, der schleichend von einer surrealen und zugleich verführerisch zarten Pflanzenwelt in Besitz genommen wird. Entstanden ist eine malerisch aufgefasste Installation von großer Poesie.
Der Tausch
von Katrin Wegemann
24. November 2007 - 1. Januar 2008
Hatte die Künstlerin bereits mit früheren Arbeiten über große abgeschlossene Räume verfügt, entwickelte sie für das winzige und nur durch drei kleine Fenster einsehbare Pförtnerhäuschen eine Installation, die für die nächsten sechs Wochen dessen prägnante Eigenschaften zur Disposition stellt: Katrin Wegemann wird die LOGE mit weißen Ballons füllen. Diese werden sich den Raum sichtbar einverleiben, ihn zugleich aber uneinsehbar machen. Anschließend wird die Künstlerin die LOGE wieder verschließen und die Rauminstallation sich selbst und ihren Gesetzmäßigkeiten überlassen.

In Abhängigkeit vom transformierenden Material werden die Ballons nach und nach an Luft verlieren und den Raum über ephemere Zwischenstadien wieder aus sich herauslassen. Irgendwann innerhalb des Prozesses werden sich der Raum und die ihn füllende Masse auch als ebenbürtige Partner eines Tauschs offenbaren. Über den Moment des Erreichens eines solchen Stadiums zu befinden, obliegt aber dem Betrachter. (Esther Lydia Schabow)
Kontaktfläche
von Daniel Berwanger
2. Oktober - 10. November 2007
„Kontaktfläche“ ist als interaktive Film- und Klanginstallation eng mit der spezifischen Raumsituation des Ausstellungsortes Loge verbunden. Anknüpfend an die frühere Funktion als Kontrollstation und Auskunftspunkt für jeden der das Haus Friedrichstrasse 210 betrat, fordert Daniel Berwanger nun dazu auf, an die Scheiben der beiden schmalen Fenster der Portiersloge zu klopfen. Folgt ein Besucher diesem Wunsch, löst die Art und Intensität seiner Klopfzeichen im Inneren der Loge unterschiedliche, elektronisch gesteuerte Reaktionen aus: Eine Stimme stellt Fragen nach dem Dasein, während ein Monitor scheinbar in Überwachungskameras aufgenommene Filmsequenzen aus dem stadträumlichen Umfeld des Hauses zeigt. Ein darin in unterschiedlichen Situationen immer wieder neu fokussierter junger Mann wirkt, als sei auch er überraschend mit Fragen konfrontiert, die ihm von einer unbekannten und zugleich unsichtbaren Person gestellt werden.

Daniel Berwanger berührt mit „Kontaktfläche“ Momente der menschlichen Neugier, des reflexartigen Reagierens in bestimmten kommunikativen Zusammenhängen und die Möglichkeiten der zielgerichteten Einflussnahme elektronischer Medien darauf. Er begreift die Pförtnerloge dabei als „räumliche Warteschleife und multimediale Grenzkontrolle mit dem eigenen Selbst als Exekutive“ und er lädt dazu ein, sich dieser Exekutive zu stellen.
Paradise America
von Juliane Pieper
13. Juli - 10. August 2007
Im Frühjahr 2007 hat Juliane Pieper, geb. 1975 in Stuttgart die USA bereist. Mit Leihwagen, Bussen und Bahnen war sie mehrere Wochen lang unterwegs, um sich Amerika, das Land der Einwanderer und der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten zu erschließen.

Ihre Touren führten sie in immer wieder zu Diners, Tankstellen, Burgerrestaurants etc., schon Kilometer voraus auf großen Tafeln angekündigt. Dazwischen erlebte sie das dichte Nebeneinander von künstlich geschaffenen heilen Welten und der Tristesse durchschnittlicher Siedlungen. Was sie nicht fand, war in allen Versatzstücken des so genannten amerikanischen Traums ein Gefühl des Heimatlichen.

“Paradise America“ ist eine Fotoprojektion aus 70 Einzelmotiven. Aufnahmen menschenleerer Rastplätze, schlichter Architekturen und ihrer Interieurs verschmelzen in sanften Überblendungen zu traumähnlichen Erinnerungsbildern. Deutlich wird darin nicht nur der detailgenaue Blick der Fotografin sondern auch ganz wesentlich ihr tiefes Erleben einer großen Fremdheit.

Mädchenzimmer
von Jimena Passadore
5. Mai - 15. Juni 2007
„Mädchenzimmer“ steht am Anfang einer für 2007 vorbereiteten Folge raumbezogener Interventionen, die Studierende der Kunsthochschule Berlin-Weißensee jeweils als „piece unique“ für die Loge Friedrichstraße 210 überlegt haben.

Jimena Passadore 1977 in Buenos Aires geboren, folgt in „Mädchenzimmer“ der von Tizian geschaffenen „Venus von Urbino“ und überführt deren 1863 von Edouard Manet gelieferte feinsinnige Interpretation in einen zeitgenössischen Zusammenhang.

Gefilmt als malerisch aufgefasste Allegorie, ist die Arbeit ein anmutiger Diskurs über Bewusstsein, Schönheit und Psyche und die unabdingbare Hoffnung auf soziale Wertigkeit. In einem durchschnittlichen Farbfernsehgerät als scheinbares Standbild vorgeführt, verknüpft „Mädchenzimmer“ das zeitgenössische Zitat einer kunsthistorischen Inkunabel mit einem bis heute gültigen pars pro toto bürgerlicher Wirklichkeit - endlos sichtbar von Außen nach Innen.
In der Taut Siedlung
von Christina Doll
2. Oktober – 4. November 2006
„In der Taut-Siedlung“ wurde innerhalb mehrerer Tage und Nächte in den von Kiefern gesäumten Straßen der 1926-31 nach Entwürfen von Bruno Taut gebauten Siedlung Onkel-Toms-Hütte in Berlin Zehlendorf gedreht. In dokumentarischen Einstellungen fokussierte Christina Doll vor allem Eingangstüren und Fenster der vielfarbig und ehemals wegweisend gestalteten Häuser. An diesen Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Privatheit und Öffentlichkeit hat sie das Kommen und Gehen der Bewohner beobachtet. Sie erscheinen und verschwinden - hinter Scheiben und Gardinen, in künstlichem Licht, an Türen, als Passanten...

Deutlich wird die enge Verbundenheit von Menschen, an ihrem Maß orientierten Bauten und der sie umgebenden Natur. Eingebunden in die begrenzte räumliche Situation der Pförtnerloge entwickelt sich über den Film ein inhaltlich und anschaulich spannendes Wechselspiel zwischen den Aufgaben und Grenzen von Architektur.