Martin Mlecko und Wolfgang Schöddert
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"Intérieur"

von Roselyne Titaud
09.Juli - Anfang September, Mo - Sa 10.00 - 19.00

Roselyne Titaud ist eine einfühlsame Beobachterin. Sie widmet sich einfachen privaten Räumen und findet darin feinsinnige Motive von unerwarteter Schönheit. Ihre Wahrnehmung gilt dem zufälligen Nebeneinander und dem vorgefundenen Zusammenspiel einzelner Gegenstände. Mit ihrem Blick auf Interieurs, auf Möbel, ein nicht gemachtes Bett, lieb gewonnene Kleinigkeiten, eine Vase, eine Uhr, Lebensmittel und das was diese Dinge an Ort und Stelle umgibt, thematisiert sie die besondere ästhetische Qualität des oft nur oberflächlich Wahrgenommenen.

Roselyne Titauds Fotografien sind sensible Momentaufnahmen aus den Lebenszusammenhängen von Menschen, die sie in ihren Fotografien niemals zeigt. Jedes ihrer Bilder erfasst einen Augenblick aus deren undatierbarer Alltäglichkeit, ohne jedoch den Augenblick selbst zu bewerten. Ihre Aufnahmen erzählen, wie Sie sagt, von etwas anderem, von etwas das angehalten wurde, nicht nur von der Fotografie, sondern auch schon in der Realität - und so ergänzt ihr Motiv einer Vase, die drei künstliche Rosen hält, die Loge nicht nur als Tromp-l'oeil.

 

"Nächstes Mal, vielleicht."

von Vincenzo Latronico
07.Mai - 11.Juni, durchgängig 24 Stunden täglich

Es gibt zweiunddreißigtausendsiebenhundertachtundsechzig Möglichkeiten fünf Teile aus acht unterschiedlichen Dingen miteinander zu verbinden. Rechnerisch ist das belegbar, mit Zahlen, Buchstaben, Früchten oder Liebesgeschichten. Nächstes Mal, vielleicht.erzählt Liebesgeschichten, an fünfunddreißig Tagen, vierundzwanzig Stunden lang.
Vorgetragen von der aufgenommenen Stimme ihres Autors Vincenzo Latronico, sind es exakt zweiunddreißigtausendsiebenhundertachtundsechzig, formuliert aus Teilen von acht zu Grunde liegenden Texten. Trotz dieses Ursprungs unterscheidet sich jede Geschichte von allen anderen, ist eigenständig und so einmalig wie eine Liebesgeschichte sein kann. Eine gedruckte Version von Nächstes Mal, vielleicht. war unter dem Titel Next Time, perhaps Teil der Ausstellung Chapter Four: Word Wraps, About Change, Collection, Berlin, 2009.


There are thirty two thousand seven hundred and sixty eight permutations of eight sequences of five elements. This is true regardless what the elements may be: numbers, letters, fruits, or lovestories. Next time, perhaps is a reading of love stories. It will take place at the Loge, and will last a little more than one month.
The stories will be read by their author's recorded voice, and are exactly thirty two thousand seven hundred and sixty eight, the multiplications of eight original texts. Their origin notwithstanding, every story is different from all others, it is independent, it is as unique as a love story can be; the resulting stories, however, are several thousands. A paper-based version of Nächstes Mal, vielleicht. has been shown as Next Time, perhaps at Chapter Four: Word Wraps, About Change, Collection, Berlin 2009. Translation/Übersetzung: Klaudia Ruschkowski

Link zum Radiobeitrag Deutschland Radio

"SOLO"

von SOUNDFAIR
29. März 2010, 18 - 21 Uhr

Mit SOLO verwandelt SOUNDFAIR die Loge für einen Abend in den kleinsten Musiksaal Berlins. Ruth Rosenfeld, Sopranistin an der Staatsoper in Braunschweig und der Volksbühne Berlin wird ein für den Ort komponiertes Stück von Ari Benjamin Meyers vortragen. Erlebbar ist SOLO für jeweils einen Besucher, der den Raum für eine begrenzte Zeit mit der Sängerin teilen kann. Spürbar ist die Performance aber auch, wenn man ihr nur zusieht.

SOUNDFAIR ist ein Projekt des New Yorker Komponisten Ari Benjamin Meyers, der Kuratorin Clara Meister und des Produzenten Thomas Mayer. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Performern und Orten begreifen sie Sound als Kunstwerk und thematisieren dabei unterschiedlichste auditive Ansätze.

 

 

Theoretisch tot

von Stefan Heinrich Ebner
11. Juni - Ende September 2009

Theoretisch tot ist ein Gebilde, dessen fragil anmutende Strukturelemente in Reste von Tierfell eingenäht sind. Frei und beweglich in die Loge eingehängt, ertasten die längsten Fühler des Gebildes die Dimension des Raumes und streben nach dessen Vereinnahmung.
Struktur und Fell wirken bei diesem Versuch wie eine fast wesenhafte Einheit. Theoretisch tot berührt diese Einheit Begriffe wie Entwicklung und Wachstum, Entfaltung und Erfüllung und verlangt nach dem Gespräch darüber.

 

 

Topolino

von Andrea Pagnes und Verena Stenke
9. Januar - Ende März 2009

Hinter einer alten Maske des Mickey Mouse und gekleidet in einen schwarzen Gesellschaftsanzug beginnt ein Mensch seine Suche nach Momenten verlorener Glückseligkeit.  Bewegungen und Gesten die Zwänge und Unfreiheiten ahnen lassen, führen ihn zu einer Schachtel mit lieb gewonnenen Objekten aus seiner Vergangenheit. Seine behutsame, fast melancholische Annährung an einzelne Stücke daraus führt zu einer Reflexion über Erinnerung und über die Unerreichbarkeit all dessen was sich einmal mit den Devotionalien des eigenen Lebens verbunden hat.

Topolino, rückwärtsgewandt und nostalgisch anmutend aufgenommen, berührt für Pagnes und Stenke autobiographische Zusammenhänge. Beide sagen, jedes Bild und jedes Objekt des Films sei auch ein getöteter Moment – ein Insekt der Zeit, präpariert und aufgespießt. Eines Tages werden diese Insekten unerträglich und wir verstehen sie nicht einmal mehr.

ME

von Isabelle Graeff
31. Oktober - 19. Dezember 2008

 

Was ist ein Psychopath?
von Gabriel Loebell
13. August 2008, danach 20. und 27. August, jeweils 20.00 Uhr

Was ist ein Psychopath? Zu dieser Frage hat Gabriel Loebell, (Studium der Psychiatrie Psychologie und Philosophie) einen installativen Vortrag vorbereitet.

Der Vortrag bespricht eine im Alltag stark vertretene Figur. Loebell bietet dazu eine psychiatrische Vergegenwärtigung an - Definition, Klassifikation, Typologie, Diagnostik, Pathogenese, Epidemiologie - und zeigt schließlich verschiedene Ausprägungen bis hin zur antisozialen Persönlichkeitsstörung auf

Mit "Was ist ein Psychopath" gibt die Loge erstmalig einem Vortrag Raum, der unter dem Eindruck ihrer spezifischen Situation konzipiert wurde.

Primavera
von Aldo Cristofaro
16. Mai - Ende Juli 2008
Aldo Cristofaro ist der Landschaftsmalerei und ihrer zeitgenössischen Interpretation zugewandt. Mitunter fragil komponiert, führen seine Bilder in fremdartige Welten von oft literarischer Anmutung und manche seiner Motive könnten den traumhaften Denkbildern von Lewis Carroll oder Jules Verne entlehnt sein.

Mit „Primavera“ verlässt Cristofaro den fest gefügten Rahmen eines traditionell angelegten Gemäldes und überführt seine bildnerische Arbeit in einen räumlichen Zusammenhang. Mehr als 50 behutsam aus Leinwand geschnittene Blumenblüten in phantastischen Formen und Farben hat er dazu auf den Wänden der Loge arrangiert. Aufgesteckt auf kleine Rotoren, die über schmale Kabel elektrifiziert sind, vermögen sie sich kaum merklich zu drehen und nähren mit sanfter Bewegung die Vermutung eines fortschreitenden Wachstums.

Sichtbar nur von draußen nach drinnen, nutzt Cristofaro für „Primavera“ die Eigenschaft der Loge als Vitrine und formt das Bild eines Raumes, der schleichend von einer surrealen und zugleich verführerisch zarten Pflanzenwelt in Besitz genommen wird. Entstanden ist eine malerisch aufgefasste Installation von großer Poesie.
Der Tausch
von Katrin Wegemann
24. November 2007 - 1. Januar 2008
Hatte die Künstlerin bereits mit früheren Arbeiten über große abgeschlossene Räume verfügt, entwickelte sie für das winzige und nur durch drei kleine Fenster einsehbare Pförtnerhäuschen eine Installation, die für die nächsten sechs Wochen dessen prägnante Eigenschaften zur Disposition stellt: Katrin Wegemann wird die LOGE mit weißen Ballons füllen. Diese werden sich den Raum sichtbar einverleiben, ihn zugleich aber uneinsehbar machen. Anschließend wird die Künstlerin die LOGE wieder verschließen und die Rauminstallation sich selbst und ihren Gesetzmäßigkeiten überlassen.

In Abhängigkeit vom transformierenden Material werden die Ballons nach und nach an Luft verlieren und den Raum über ephemere Zwischenstadien wieder aus sich herauslassen. Irgendwann innerhalb des Prozesses werden sich der Raum und die ihn füllende Masse auch als ebenbürtige Partner eines Tauschs offenbaren. Über den Moment des Erreichens eines solchen Stadiums zu befinden, obliegt aber dem Betrachter. (Esther Lydia Schabow)
Kontaktfläche
von Daniel Berwanger
2. Oktober - 10. November 2007
„Kontaktfläche“ ist als interaktive Film- und Klanginstallation eng mit der spezifischen Raumsituation des Ausstellungsortes Loge verbunden. Anknüpfend an die frühere Funktion als Kontrollstation und Auskunftspunkt für jeden der das Haus Friedrichstrasse 210 betrat, fordert Daniel Berwanger nun dazu auf, an die Scheiben der beiden schmalen Fenster der Portiersloge zu klopfen. Folgt ein Besucher diesem Wunsch, löst die Art und Intensität seiner Klopfzeichen im Inneren der Loge unterschiedliche, elektronisch gesteuerte Reaktionen aus: Eine Stimme stellt Fragen nach dem Dasein, während ein Monitor scheinbar in Überwachungskameras aufgenommene Filmsequenzen aus dem stadträumlichen Umfeld des Hauses zeigt. Ein darin in unterschiedlichen Situationen immer wieder neu fokussierter junger Mann wirkt, als sei auch er überraschend mit Fragen konfrontiert, die ihm von einer unbekannten und zugleich unsichtbaren Person gestellt werden.

Daniel Berwanger berührt mit „Kontaktfläche“ Momente der menschlichen Neugier, des reflexartigen Reagierens in bestimmten kommunikativen Zusammenhängen und die Möglichkeiten der zielgerichteten Einflussnahme elektronischer Medien darauf. Er begreift die Pförtnerloge dabei als „räumliche Warteschleife und multimediale Grenzkontrolle mit dem eigenen Selbst als Exekutive“ und er lädt dazu ein, sich dieser Exekutive zu stellen.
Paradise America
von Juliane Pieper
13. Juli - 10. August 2007
Im Frühjahr 2007 hat Juliane Pieper, geb. 1975 in Stuttgart die USA bereist. Mit Leihwagen, Bussen und Bahnen war sie mehrere Wochen lang unterwegs, um sich Amerika, das Land der Einwanderer und der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten zu erschließen.

Ihre Touren führten sie in immer wieder zu Diners, Tankstellen, Burgerrestaurants etc., schon Kilometer voraus auf großen Tafeln angekündigt. Dazwischen erlebte sie das dichte Nebeneinander von künstlich geschaffenen heilen Welten und der Tristesse durchschnittlicher Siedlungen. Was sie nicht fand, war in allen Versatzstücken des so genannten amerikanischen Traums ein Gefühl des Heimatlichen.

“Paradise America“ ist eine Fotoprojektion aus 70 Einzelmotiven. Aufnahmen menschenleerer Rastplätze, schlichter Architekturen und ihrer Interieurs verschmelzen in sanften Überblendungen zu traumähnlichen Erinnerungsbildern. Deutlich wird darin nicht nur der detailgenaue Blick der Fotografin sondern auch ganz wesentlich ihr tiefes Erleben einer großen Fremdheit.

Mädchenzimmer
von Jimena Passadore
5. Mai - 15. Juni 2007
„Mädchenzimmer“ steht am Anfang einer für 2007 vorbereiteten Folge raumbezogener Interventionen, die Studierende der Kunsthochschule Berlin-Weißensee jeweils als „piece unique“ für die Loge Friedrichstraße 210 überlegt haben.

Jimena Passadore 1977 in Buenos Aires geboren, folgt in „Mädchenzimmer“ der von Tizian geschaffenen „Venus von Urbino“ und überführt deren 1863 von Edouard Manet gelieferte feinsinnige Interpretation in einen zeitgenössischen Zusammenhang.

Gefilmt als malerisch aufgefasste Allegorie, ist die Arbeit ein anmutiger Diskurs über Bewusstsein, Schönheit und Psyche und die unabdingbare Hoffnung auf soziale Wertigkeit. In einem durchschnittlichen Farbfernsehgerät als scheinbares Standbild vorgeführt, verknüpft „Mädchenzimmer“ das zeitgenössische Zitat einer kunsthistorischen Inkunabel mit einem bis heute gültigen pars pro toto bürgerlicher Wirklichkeit - endlos sichtbar von Außen nach Innen.
In der Taut Siedlung
von Christina Doll
2. Oktober – 4. November 2006
„In der Taut-Siedlung“ wurde innerhalb mehrerer Tage und Nächte in den von Kiefern gesäumten Straßen der 1926-31 nach Entwürfen von Bruno Taut gebauten Siedlung Onkel-Toms-Hütte in Berlin Zehlendorf gedreht. In dokumentarischen Einstellungen fokussierte Christina Doll vor allem Eingangstüren und Fenster der vielfarbig und ehemals wegweisend gestalteten Häuser. An diesen Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Privatheit und Öffentlichkeit hat sie das Kommen und Gehen der Bewohner beobachtet. Sie erscheinen und verschwinden - hinter Scheiben und Gardinen, in künstlichem Licht, an Türen, als Passanten...

Deutlich wird die enge Verbundenheit von Menschen, an ihrem Maß orientierten Bauten und der sie umgebenden Natur. Eingebunden in die begrenzte räumliche Situation der Pförtnerloge entwickelt sich über den Film ein inhaltlich und anschaulich spannendes Wechselspiel zwischen den Aufgaben und Grenzen von Architektur.