Martin Mlecko und Wolfgang Schöddert
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Unweit des Checkpoint Charlie hat sich in seiner originalen Bausubstanz ein Geschäfts- und Bürohaus der 1910er Jahre erhalten. Unter der Adresse Friedrichstraße 210 führt eine tonnengewölbte Durchfahrt in den Innenhof des Gebäudes. Dort, an der Schwelle zwischen Innen und Außen, liegt am Eingang zu einem marmorverkleideten Treppenhaus die frühere Pförtnerloge des Hauses. Nach einer behutsamen Renovierung wollen der Photograph und Filmemacher Martin Mlecko und der Kunsthistoriker Wolfgang Schöddert unterstützt durch Georg von Stauffenberg diese Situation unter dem Namen Loge zu einem Ausstellungsort für raumbezogene Arbeiten entwickeln.


Lage

Das Haus Friedrichstraße 210 in Berlin liegt an einem einst neuralgischen und politisch aufgeladenen Ort im historischen Zeitungsquartier Berlins und gehört heute zum touristischen Pflichtprogramm der Stadt. Kriegzerstörungen, die einschneidende deutsch-deutsche Grenzziehung und danach wesentlich die Planungsgedanken der IBA 87 haben die südliche Friedrichstadt hier in eine städtebauliche Situation überführt, die deutlich und ungeschönt prägende Entwicklungslinien der Hauptstadt im 20. Jahrhundert zeigt.


Raum

Der ca. 4qm große Raum der Loge folgt einem unregelmäßigen Grundriss. Eine messingbeschlagene Tür mit einem schmalen Sichtfenster ist die Verbindung zum Hausflur. Zwei kleine, mit Tudorbögen abgerundete Schiebefenster gewähren den Blick von Drinnen nach Draußen und umgekehrt. Die Loge ist ein begehbarer Raum und dennoch mehr Vitrine als Raum. Traditionelle Eigenschaften eines Ausstellungsraumes, wie Größe, klar gegliederte Wandflächen und wirksames natürliches Licht, fehlen.


Konzept

Martin Mlecko und Wolfgang Schöddert arbeiten seit den frühen 1990er Jahren an gemeinsamen Projekten im öffentlichen Raum. Künstlerische und kuratorische Grundgedanken basierten dabei stets auf sozialpolitischen Zielsetzungen. Wesentliches Merkmal war und ist der diskursive Austausch und die Einbindung Anderer in konzeptuelle Prozesse und gleichzeitig die Auseinandersetzung mit Orten, die bestimmte kulturelle Zusammenhänge spiegeln.

In ihrer ursprünglichen Funktion war die Loge eine Registratur für Rituale innerhalb der sie umgebenden Architektur. Zu ihren Eigenschaften hat ein beständiges Wechselspiel zwischen Innen und Außen gehört. Sie war ein eng angelegter Arbeitsplatz, ein Ort der Information und zugleich ein Schicksalsplatz - Menschen wurden willkommen geheißen oder zurück auf die Straße verwiesen, angezogen oder abgestoßen.

Die Loge ist Arbeiten gewidmet, die diesen Hintergrund berücksichtigen. Der Wunsch, das Bewusstsein gegenüber einer alltäglichen Schönheit und Poesie zu stärken, steht gleichwertig daneben.